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09.02.2026 – Nachhaltigkeit
Woran denkt man zuerst, wenn man Recyclingpapier hört? An das grau-bräunliche Papier aus dem Drucker, an die Briefe vom Finanzamt oder an eine hochwertige produzierte Broschüre? Letzteres vermutlich weniger. Leider!
Der Schuh des Jahrzehnte aufgedrängten Öko-Images von Recyclingpapier drückt schon lange. Denn es kann viel mehr als nur öko-grau-braun – aus der Wäsche gucken. Und um damit diesen Artikel direkt eins vorwegzunehmen: Recyclingpapier kann schon längst in Haptik, Anmutung und Farbigkeit mit Frischfaser mithalten und weiterhin gleichzeitig etwas Gutes für die Umwelt tun.
Diese Tatsache scheint jedoch noch nicht in der breiten Masse der Medienproduktion angekommen zu sein, der schlechte Ruf von Recyclingpapier hält sich tapfer. Aber was ist wirklich dran an diesem Image?
Autorin des Artikels: Pia Weißenfeld // Expertin für nachhaltiges Design und Transformation, Autorin von „Nachhaltiges Grafikdesign – Das umfassende Handbuch“ www.pia-weissenfeld.de

Recyclingpapier kann schon längst in Haptik, Anmutung und Farbigkeit mit Frischfaserpapieren mithalten.
Recyclingpapier hat noch immer mit Vorurteilen zu kämpfen – zu Unrecht. Der Blogartikel räumt mit gängigen Mythen über Recyclingpapier auf und zeigt, warum es heute eine hochwertige, nachhaltige Alternative zu Frischfaserpapier ist. Moderne Recyclingpapiere bieten hohe Weißegrade, angenehme Haptik und brillante Druckergebnisse – auch für Bildbände, Verpackungen und Premium-Print.
Mit gutem Farbmanagement und passender Beratung lassen sich Qualität und Kosten optimieren. Recyclingpapier spart Energie und Wasser, verlängert die Nutzungsdauer von Fasern erheblich und ist durch Umweltzeichen wie den Blauen Engel verlässlich zertifiziert. Tools wie das Umwelt-Papierarchiv helfen bei der Auswahl geeigneter Materialien. So verbindet nachhaltige Printproduktion Umweltwirkung, Qualität und Wirtschaftlichkeit.


Der wohl etablierteste Mythos ist, dass Recyclingpapier immer bedeutet, dass das Papier grau-bräunlich aussieht und dadurch die Qualität und Wertigkeit des Druckprodukts massiv beeinflusst. Diese Zeiten sind jedoch vorbei!
Es gibt zwar noch Recyclingpapier im Öko-Look, wenn man denn so möchte, aber die Vielfalt an Recyclingpapier ist so weitreichend, dass es inzwischen auch Papiere mit sehr hohem Weißegrad gibt, nahezu ohne Einschüsse.
Zudem ist es auch immer eine Sache des Blickwinkels. Nachhaltigkeit wird von vielen Konsument:innen positiv wahrgenommen und bewertet. Wenn sich am Papier durch leichte Einschüsse erkennen lässt, dass es sich um Recyclingpapier, also um ein nachhaltiges Papier, handelt, kann dies zu Pluspunkten in der Wahrnehmung einer Marke führen.
Ein weiterer Mythos, der sich hält, ist, dass Recyclingpapier zu schlechteren Druckergebnissen führt. Was zutrifft ist, dass man bei Recyclingpapier und je nach Druckverfahren achtsamer im Farbmanagement sein sollte, um ein hochwertiges Druckergebnis zu erhalten. Bei Produkten wie Bildbänden ist es enorm wichtig, dass die Farben strahlen und so wie gewollt gedruckt werden. Aber da ist ohnehin ein gutes Farbmanagement von Bedeutung – ob Recyclingpapier oder nicht.
Mittlerweile ist es möglich Bildbände, Kunstdrucke oder edle Verpackungen aus recycelten Fasern herzustellen, ohne dass jemand auch nur annähernd etwas davon merken würde.
Langebartels+Jürgens, die Hamburger Umwelt- und Qualitätsdruckerei, hat sich umfassend mit diesem Thema beschäftigt. Das Projekt Brillant Drucken auf Recyclingpapier zielt darauf ab, die Druckqualität und Vorhersehbarkeit auf Recyclingpapier signifikant zu verbessern. Spannend? Weitere Informationen finden Sie hier.


Auf den ersten Blick scheint es naheliegend, dass die Nutzung von Recyclingpapier vor allem für die Nachhaltigkeitskommunikation passend ist. Es kommt jedoch drauf an, aus welcher Perspektive wir diese Entscheidung betrachten.
Ist es eine konzeptionelle Entscheidung, gleichzusetzen mit der Wahl von Farben und Formaten? Oder sollte auch immer der Ressourceneinsatz bzw. die Emissionen eine Rolle spielen? Damit haben wir dann neben der konzeptionellen Perspektive auch eine Umwelt-Perspektive. Und die sollte bei jedem Produkt eine Rolle spielen.
Da wir schon mit den beiden Mythen aufgeräumt haben, dass Recyclingpapier zu grau sei oder die Druckergebnisse negativ beeinflusst werden, ist der Gedanke nicht weit, dass sich ein umweltfreundliches Papier auch für Themen einsetzen lässt, die nicht direkt Nachhaltigkeitsthemen behandeln.
Und wie finden Sie nun das passende Recyclingpapier für Ihr Projekt? Im Umwelt-Papierarchiv von Langebartels+Jürgens sind alle nachhaltig zertifizierten Papiere übersichtlich zusammengestellt, die zu 100 % aus Altpapier bestehen und mindestens ein relevantes Umweltzeichen tragen. Eine Besonderheit ist die Möglichkeit, den Weißgrad (CIE- Wert) der Papiere zu sortieren. So sieht man auf einen Blick, welche Papiere besonders weiß oder eher natürlich wirken!
Dieser Mythos ist etwas vielschichtiger, weshalb darauf nicht einfach nur mit “Stimmt nicht” geantwortet werden kann. Recyclingpapier ist zwar häufig noch kostspieliger als Frischfaserpapier, aber nicht immer!
Es gibt Mittel und Wege, wie sich die Kosten reduzieren bzw. ausgleichen lassen. Wer im engen Kontakt mit der Druckerei steht und eine gute Beratung genießt, kann gemeinsam mit der Druckerei einige Maßnahmen ergreifen, die die Kosten eines nachhaltigen Druckprodukts ausgleichen.
Mit diesen Maßnahmen bestehen gute Chancen, dass sich ein umweltfreundliches Druckprodukt zu ähnlichen Kosten produzieren lässt, wie eines das umweltschädlicher produziert wird.
Wichtig ist auch immer eine Gesamtkostenbetrachtung. Es sollten sich also nicht nur die einzelnen Produktionskosten angeschaut werden, sondern auch, wo durch eine vermeintlich günstigere Entscheidung Mehrkosten entstehen.

Neben der konzeptionellen Entscheidung sollte auch die Umwelt-Perspektive bei jedem Druckprodukt eine Rolle spielen.

Gegner:innen von Recyclingpapier führen immer wieder bestimmte vermeintliche Argumente an, um dessen ökologische Vorteile gegenüber Frischfaserpapier in Frage zu stellen. Viele dieser Punkte sind jedoch unvollständig, veraltet oder irreführend.
Es wird mit der eingeschränkten Wiederverwertbarkeit der Fasern, einem erhöhten Chemikalien-, Wasser- und Energieverbrauch sowie dem immer nötig bleibenden Zusatz von Frischfasern argumentiert.
Es kommt immer wieder auf, dass Papierfasern nur 5–7 Mal recycelt werden könnten, bevor sie zu kurz und unbrauchbar werden. Diese Aussage stimmt in dieser Form nicht: neuere Studien (z. B. TU Darmstadt) zeigen, dass Papierfasern bis zu 20-mal wiederverwendet werden können, ohne ihre Funktionalität zu verlieren.
Damit einher geht auch die Kritik, dass für Recyclingpapier weiterhin Holz benötigt wird, da Fasern nicht unendlich recycelbar sind. Zwar ist das grundsätzlich richtig, jedoch reduziert Recyclingpapier den Holzbedarf erheblich und verlängert die Nutzungsdauer jeder eingesetzten Faser um ein Vielfaches.
Die Behauptung, dass das Deinken (Entfernen von Druckfarben) im Recyclingprozess hohe Umweltbelastungen verursache lässt sich auch auflösen. Faktisch benötigt die Herstellung von Recyclingpapier bis zu 68 % weniger Energie und bis zu 78 % weniger Wasser gegenüber der Produktion Frischfaserpapier. Mit dem Blauen Engel kann man zusätzlich sicherstellen, dass auch der Einsatz der Chemikalien reguliert ist.
Wenn wir nun auf diesen Artikel zurückblicken, muss sich der eine oder die andere Kritiker:in vielleicht nach neuen Argumenten umschauen, die gegen den Einsatz von Recyclingpapier sprechen.
Und noch ein Tipp zum Schluss: Es muss nicht immer alles von jetzt auf gleich auf links gedreht werden. Wer Schritt für Schritt den Weg in eine nachhaltige Printproduktion wagt, schafft sich ein gutes Fundament, durch das eine nachhaltige Druckproduktion immer selbstverständlicher wird.
Es ist eine echte Chance für Unternehmen, Nachhaltigkeit und Qualität miteinander zu vereinen. Bei Langebartels+Jürgens wird auf innovative Drucktechnologien gesetzt, um brillante Ergebnisse auf nachhaltigen Materialien zu garantieren. Denn Umweltschutz beginnt oft schon bei den kleinen Entscheidungen – und Papier ist eine davon. Gemeinsam kann man den Unterschied machen und eine nachhaltige Zukunft gestalten, ohne auf erstklassige Druckergebnisse zu verzichten!